SCOPE, 2018 - Projektbeschreibung

 

Im Auftrag von Quivid, dem Kunst am Bau Programm der Stadt München, hat Peter Reill die dreiteilige Arbeit "SCOPE" für den Neubau "Haus für Kinder" am Roggensteiner Weg 1 realisiert.

 

Das Kaleidoskop und seine Vielfalt an möglichen Motiven ist Ideengeber dieser Arbeit. Das Prinzip des Kaleidoskops wird hier jedoch verkehrt: Das Bild selbst kann nicht gedreht werden. Die Betrachter, in diesem Falle die Kinder, bewegen und verändern durch die Änderung ihres Betrachtungsstandpunktes das Bild. Als „Ausgangsmaterial“ dienen dabei eigens aufgenommene Fotografien, die mit Hilfe digitaler Bildbearbeitung kaleidoskopähnlich bearbeitet und abstrahiert wurden.

 

Die Kunst am Bau- Arbeit beginnt von außen sichtbar mit einer bedruckten, dreifachverglasten Scheibe und setzt sich im Innenraum in zwei weiteren Variationen fort. Das erste SCOPE -Motiv im Eingangsbereich ist auf die mittlere der 3 Glasschichten gedruckt und wird so durch die anderen beiden Scheiben sicher eingeschlossen, während sich der Betrachter in den beiden Außenscheiben spiegeln kann. Das kaleidoskopische Motiv auf der Scheibe ist nicht nur als Positiv sichtbar, sondern wirft zudem sein Schattenspiel auf den Boden im Innenbereich.

 

Im Treppenhausbereich sind zwei Lentikulardrucke, jeweils im Format 120 x 120 [cm], bündig in den Putz eingelassen. Je nach Betrachtungswinkel ist das eine oder andere Motiv zu erkennen und es ergibt sich eine Bewegung bzw. ein Flip-Effekt. Das heisst das Bild bewegt sich im Stile eines Daumenkinos oder wie man es von Effektpostkarten her kennt. Dieser Flip- oder auch Kipp-Effekt kommt durch ein spezielles Druckverfahren - dem Direktdruck auf Lentikularfolie, die aus hunderten kleinster Linsen besteht - zustande.

 

Für den dritten Teil von SCOPE wurde die Treppenverkleidung mit einem großen kaleidoskopischem Motiv versehen. Dieses ist direkt auf kratzfestes Acrylglas gedruckt und an der Verkleidung montiert. Die komplette Wand im Bereich der Treppe wurde farbig gestrichen und dient als Klammer für das Projekt.

Künstlerische Gestaltung des Treppenaufgangs

 

Die Arbeiten im Treppenaufgang gliedern sich in zwei Gruppen:

Mehrfarbige Reliefarbeiten an den Wänden und gelbe Plastiken am Boden.


Die runden Reliefarbeiten bestehen aus einem mit farbigem Filz bezogenen Holzkern, aus dem ovale, dunkel gehaltene Ausschnitte ausgespart sind. Der Durchmesser der Arbeiten variiert zwischen 25 cm und 80 cm, mit einer jeweiligen Stärke von 2,5 cm. Die vier Bodenplastiken sind aus gelb gefärbtem Polyester-Kunststoff hohl gearbeitet. Sie besitzen einen maximalen Durchmesser von 55 cm und eine maximale Höhe von 25 cm.

 

Auf der Kiesfläche unterhalb des Treppenaufgangs befinden sich vier gelbe Kunststoffplastiken, die unregelmäßig mit Wölbungen überzogen sind. Sie lösen die Assoziation von kleinen Vulkanen oder kleinen Kratern auf der Oberfläche eines Planeten aus, der einen festen, wenn auch unbekannten Boden für den Betrachter bietet. Aus diesem sicheren Stand heraus gleitet der Blick des Betrachters nach oben in einen Sternenhimmel. Die farbigen Reliefarbeiten, die fröhlich an der Wand herumzufliegen scheinen, erhalten durch die perspektivische Verzerrung der dunklen Aussparungen eine körperhafte Wirkung, so daß der planetenhafte Eindruck noch verstärkt wird. Durch die große, gegenüberliegende Fensterfront korrespondiert der fiktive Himmelsraum mit dem realen und weitet sich dadurch ins Unermeßliche. Inmitten dieser Illusion von unendlicher Weite und bunter Freiheit windet sich wie eine Himmelsleiter der Treppenaufgang in die Höhe. Der Sog dieser dynamischen Bewegung zieht den Betrachter hinauf in eine ferne Welt der Sterne, bis die phantastische Reise in den nach Planeten benannten Konferenzräumen endet.